Wie geht’s?

Wie geht’s? Danke, gut, aber…

Heute morgen hatte ich eine super Idee. Es ist ja so, dass ich häufig von Nachbarn auf der Strasse oder Freunden am Telefon oder per Textnachricht gefragt werde, wie es mir ginge. „Wie geht’s?“ ist eine Höflichkeitsformel wie „How do you do?“. Ich benutze die Floskel auch manchmal. Man sagt das, obwohl man sich nicht wirklich den Kopf über den Zustand der anderen Person zerbricht. Man erwartet vielleicht noch nicht einmal wirklich eine Antwort.

Dennoch ist es eine Frage und Fragen sollte man respektieren. Bisher habe ich meistens so etwas geantwortet wie „Uns geht es eigentlich den Umständen entsprechend ganz gut, nur das Home-Schooling ist natürlich eine Herausforderung.“ Was für ein verschwurbelter, beliebiger Satz.

Ab heute ändere ich das, dachte ich mir heute beim Kaffee kochen. Und hatte sofort Gelegenheit, meine neue Idee an meiner Frau auszuprobieren. Mit Erfolg.

Ab heute werde ich nämlich auf die Frage „Wie geht’s?“ immer mit diesem Satz antworten: „Danke, gesundheitlich geht’s mir gut, aber ich habe große Angst vor der Klimakrise.“

Als ich diesen Satz heute morgen zu meiner lieben Frau sagte, nachdem sie „Wie geht’s?“ gefragt hatte, konnte ich beobachten, wie sie stockte. Sie sah aus wie ein Vogel, der mitten im Flug stehen bleibt. Dann lachte sie und wir kamen ins Gespräch, in ein gutes Gespräch.

Mich irritiert ja schon seit Langem, dass meine Mitmenschen und ich ständig um den heissen Brei herum reden. (Darüber habe ich hier und hier bereits geschrieben.) Wenn man sich begegnet, spricht man über alles Mögliche, nur nicht über das wichtigste Thema. Nämlich über das Problem, welches uns alle verbindet, welches uns alle bedroht und welches wir alle zu verantworten haben. Und welches wir alle lösen können. Zum Beispiel, indem wir darüber reden. Worten können Taten folgen. 

Also, no more Mr. Nice Guy. Ab heute lautet meine Antwort immer: „Danke, gesundheitlich geht’s mir gut, aber ich habe große Angst vor der Klimakrise.“ Ich fühle mich mit dieser Antwort ganz wohl, denn sie entspricht meinem Zustand. Sie ist authentisch.

Vielleicht sammle ich auf diese Weise interessante Gespräche – und mache daraus einen Blogbeitrag…

Und wie geht’s dir?

Wie geht’s?

 

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