Kinderarzt: Vegane Ernährung für Kinder ist falsch. (Oder doch nicht?)

Vegane Ernährung für Kinder ist falsch?Was unser Kinderarzt vor einem Jahr zu veganer Ernährung für Kinder sagte und was er heute dazu sagte, das sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen. Und dazwischen lag ein kontroverser Denkprozess – in meinem Kopf.

Vor einem Jahr liess ich mal wieder die Blutwerte unserer Söhne (damals 7 & 10) beim Kinderarzt überprüfen. Meine Familie lebt seit 2018 vegan und ungefähr so lange sind meine Frau und ich Nährstoffsuperprofis. Das Blutbild-Ergebnis, welches uns unser geschätzter Kinderarzt mitteilte, lautete: Alles im grünen Bereich, nur Zink und Selen könnten ein bißchen höher sein.

Unser Kinderarzt sagte bei diesem Termin aber auch diesen einen fatalen Satz: „Vegane Ernährung ist für Kinder die falsche Ernährung.“ Diese Aussage ist in unserer Gesellschaft nicht so ungewöhnlich und sie wäre auch nicht so problematisch für mich, wenn unsere Söhne sie nicht gehört hätten.

Zu Hause hieß es dann natürlich: „Papa, ist vegane Ernährung wirklich falsch für uns?“

Wie reagiert man da als Vater, als Mutter, als Nährstoffversorger Nummer eins? „Kinderarzt: Vegane Ernährung für Kinder ist falsch. (Oder doch nicht?)“ weiterlesen

 

Ist Tierquälerei eine Straftat? Die Antwort ist leider kompliziert.

Foto: We Animals Media

Ist Tierquälerei eigentlich eine Straftat in Deutschland? Mal angenommen, der Hund meines Nachbarn jault und bellt ständig. Es klingt schrecklich und herzzerreißend. Was soll ich tun? Gehe ich dann da rüber und kümmere mich? Oder soll ich mich an ein Tierschutzbüro oder sogar an die Polizei wenden?

Ich habe mal bei der Polizei nachgefragt. Die Antwort des Beamten lautete: „Ich hatte auch mal einen Hund. Also: Wenn Sie der Meinung sind, der Nachbar schlägt seinen Hund, dann ist das der Tatbestand Tier in Not. Dann können Sie uns natürlich rufen!“ „Ist Tierquälerei eine Straftat? Die Antwort ist leider kompliziert.“ weiterlesen

 

Grillsaison ist immer

Grillzeit ist immer
Grillen macht Spaß! Grillsaison ist immer!

Es ist Sommer, die Ferien stehen vor der Tür, da heißt es nichts wie raus in den Garten und grillen! Ob Geburtstagsparty, Betriebsfeier, Schulfest oder einfach nur mit der lieben Familie: das gemeinsame Grillen ist einfach das Schönste! 

In unserem Supermarkt an der Ecke gibt`s jetzt die Packung mit 5 Grillwürsten für € 2,39. Die gibt es auch aus Seitan, aber dann kosten 5 Stück € 3,32. Ich weiß auch nicht, warum sie dieses vegane Zeugs so teuer machen. Wer soll denn das kaufen? Also ich hab lieber ein gutes Stück echtes Fleisch zum anständigen Preis. Das schmeckt mir! „Grillsaison ist immer“ weiterlesen

 

Warum trainieren Frauen und Männer in Berlin MMA?

Vor zehn Jahren habe ich den Dokumentarfilm „Vollkontakt“ über vier freundliche Frauen und Männer aus Berlin gedreht, die die „härteste Kampfkunst der Welt“ betreiben: Mixed Martial Arts (MMA). Der Film hatte damals in einem Berliner Kino Premiere, lief auf einem Festival und später auch bei Spiegel Online. Da ich selber diesen Sport seit 13 Jahren trainiere, hatte ich einen guten Zugang zu meinen Protagonisten und zu unserem Gym in Berlin Schöneberg. „Warum trainieren Frauen und Männer in Berlin MMA?“ weiterlesen

 

Als Missionar gescheitert: Mit Eltern über Klima und Ernährung sprechen ist nicht leicht

Der Missionar
Der Missionar

Darf man die Kinder anderer Eltern missionieren? Nein, darf man nicht. Aber wieso sollte man das auch tun wollen? Dies ist ein Bericht über eine gut gemeinte Aktion mit ernüchterndem Ausgang.

Im Sommer 2020 verschickte ich eine Email an 52 Email-Adressen unserer Kita. Da ich Klimagerechtigkeits-Aktivist bin und versuche, die Welt zu retten, war der Inhalt in etwa folgender: „Ich würde gerne mit euch, liebe Eltern, über den Zusammenhang von Klimakrise und Ernährung ins Gespräch kommen. Mich interessiert eure Meinung dazu! Wusstet ihr, dass z.B. Butter (aus Kuhmilch) das Lebensmittel mit dem höchsten CO2-Wert ist? Wäre das nicht vielleicht einen Gedanken wert, dass wir in unserer Kita deshalb auf tierische Produkte verzichten?“ „Als Missionar gescheitert: Mit Eltern über Klima und Ernährung sprechen ist nicht leicht“ weiterlesen

 

Warum ich dieses Parents for Future – Video gemacht habe

Seit einigen Wochen gehen meine Frau Jenny und ich Freitags zum Invalidenpark. Wir treffen andere Parents for Future und zeigen, dass wir die streikenden Jugendlichen von Fridays for Future unterstützen. Wir sammeln Unterschriften, malen Transparente, verteilen Flyer. Unsere Söhne sind manchmal auch auf den Freitagsdemos dabei. Es geht nicht nur um die Zukunft unserer, sondern aller Kinder, aller Lebewesen, um die Zukunft unseres Planeten. (An dieser Stelle kann man leicht pathetisch klingen, aber das ist jetzt egal.)

Trotz aller Berichterstattung treffen wir in unserem sozialen Umfeld sehr oft auf Menschen, die sich für dieses Thema entweder nicht interessieren oder es sogar anzweifeln. Unglaublich aber wahr. Unglaublich deshalb, weil seriöse Informationsquellen wie David Attenborough, der IPCC, die UN, Professor Quaschning, Professor Lesch oder die Scientists4future seit geraumer Zeit belegbare Informationen liefern. Der menschengemachte Klimawandel ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, die herannahende Klimakatastrophe seit über 40 Jahren.

Fast jeden Tag liefern uns die Medien Schreckensmeldungen über aussterbende Tierarten, Überschwemmungen, Waldbrände, Epidemien, Flüchtlingsströme. Ich finde, da kann man sich nicht mehr rausreden mit „Aber die Chinesen bauen Kohlekraftwerke“ oder „Aber was ist mit den Arbeitsplätzen?“. Das sind alles Ausreden, die den zukünftigen Generationen überhaupt nichts nützen. Es reicht! Wir brauchen eine Haltung, die im Einklang mit den wissenschaftlichen Fakten ist – und mit dieser Haltung müssen wir Druck auf die Politik ausüben. Also Politik machen.

Deshalb habe ich gemeinsam mit anderen Parents for Future dieses Video hergestellt.

Am 26. Mai ist Europawahl. Wir müssen zur Wahl gehen. Und weil unsere Kinder keinen Wahlzettel bekommen, müssen wir ihnen unsere Stimme schenken. Denn wir bestimmen damit deren Zukunft mehr als unsere.

https://parentsforfuture.de

#voteclimate #voteforclimate

 

Wer hat ihnen eigentlich ins Hirn geschissen?

Mein 8jähriger macht seine Hausaufgaben zwar trotzdem, den Spruch fand er aber gut
Mein 8jähriger macht seine Hausaufgaben zwar trotzdem, den Spruch fand er aber gut

Neulich bei #fridaysforfuture:  Wir steigen beim Invalidenpark aus der Strassenbahn aus, meine Söhne (8 und 5), drei befreundete #parentsforfuture, und ich, den Stab mit dem Transparent meines Sohnes in der Hand. Heute ist auch Greta Thunberg in Berlin!

Plötzlich steuert ein etwa 60jähriger Mann auf mich zu. Gepflegtes Äußeres, Krawatte, Mantel. Könnte in einer Behörde arbeiten, könnte aber auch Zahnarzt sein. Mit einem breiten Lächeln und in höflichem Ton fragt er mich: „Sagen Sie, gehen Sie auch zu dieser Demo?“

Ich denke: Wohin denn sonst? Antworte freundlich: „Ja, na klar!“

Darauf er, lächelnd: „WER HAT IHNEN EIGENTLICH INS HIRN GESCHISSEN?“

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Die Zombies vom Mount Everest

Meine Frau Jenny und ich auf einer FridaysForFuture-Demo im März 2019

Der Mount Everest ist mit seinen 8848 Metern der höchste Berg der Erde und sein Gipfel wurde im Jahr 1953 zum ersten Mal erobert. Seitdem sind über 200 Bergsteiger dort oben gestorben. Einer der Bekanntesten ist „Green Boots“: Seit 23 Jahren klettern alle Bergsteiger an seiner Leiche mit den grünen Stiefeln vorbei. Wie CNN neulich berichtete, schmelzen die Gletscher auf dem höchsten Berg der Erde rapide und geben nach und nach die Bergsteiger-Leichen wieder frei. Die Klimawandel-Zombies erwachen nach Jahrzehnten des Schlafs im nicht-ewigen Eis. Und das ist leider kein Plot für einen Horrorfilm, sondern das hat etwas mit uns zu tun.

Ich gehöre neuerdings zu einer bundesweiten, ständig wachsenden Gruppe, die sich Parents for Future nennt. Wir Eltern unterstützen mit unserer Anwesenheit bei Demos die Schüler, die unter dem Motto Fridays for Future ein paar Schulstunden nicht besuchen, um stattdessen für eine bessere Klimapolitik auf die Strasse zu gehen. Sie tun das, weil ein Mädchen, das nicht lügen kann und nur dann spricht, wenn es unbedingt nötig ist, ihnen die Wahrheit erzählt: die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Sie fragt in ihrer beeindruckenden TED-Rede sinngemäß, warum, wenn die Klimakrise uns alle so bedroht wie die Wissenschaftler es sagen, nicht alle Menschen ständig nur noch darüber sprechen.

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Was hat Musik mit Rassismus zu tun?

Neulich wurde ich von einem fremden Mann als Rassist bezeichnet. Wie kam es dazu?
Ich war mit meinem vierjährigen Sohn im Bode-Museum gewesen. Mit der S-Bahn fuhren wir von der Friedrichstraße zum Bahnhof Zoo. Während der Fahrt stieg ein Mann mit einem Lautsprecher und einer Klarinette ein. Ich sagte zu ihm: Bitte jetzt hier keine Musik! Er verdrehte die Augen, ging ein paar Meter weiter und begann trotzdem zu spielen. Ich schaute ihn böse an. Er schaute mich böse an. Dann ging er mit seinem Becher herum, aber niemand gab ihm Geld.

Die Berliner S-Bahn fährt und fährt – mit Musik und Rassismusvorwürfen

Ich mag die S-Bahn-Musiker nicht. Nicht weil sie schlecht spielen, manche spielen sogar ganz gut. Aber sie betreten den geschlossenen Raum, in dem ich mich befinde, und zwinge mich ihre Musik zu hören auch wenn ich das gerade nicht will. Ich kann nicht mehr lesen, kann meine Musik in meinem eigenen Kopfhörer nicht hören, Gespräche mit meinen Liebsten müssen warten bis der Musiker wieder aufhört. Ich habe schon einmal Kontakt mit der deutschen Bahn aufgenommen. Mann antwortete mir, das Musizieren in der S-Bahn sei nicht gestattet und die S-Bahn-Musiker seien ein bekanntes Problem, gegen das man aber leider nichts tun könne. Wenn man sie verjagt, sind sie sehr schnell wieder da. Es sind organisierte Gruppen, die sehr genau wissen, was sie tun. Und die Berlin-Touristen geben ihnen Geld, weil sie sie für etwas authentisches Berlinerisches halten. Während der S-Bahn-Fahrt erblickt man die Goldelse und jemand vom Balkan spielt Besame Mucho dazu. Das ist Berlin!

Als wir am Bahnhof Zoo ausstiegen, ging der Mann mit seinem Roll-Lautsprecher an uns vorbei. Seine Klarinette hielt er unter seiner Jacke versteckt. Er wandte sich mir zu und sagte in gebrochenem Deutsch: „Warum du mir sagst keine Musik in S-Bahn? Du bist Rassist!“ Ich war so perplex dass ich erst mal nichts antworten konnte. Ich dachte nur: Was hat Musik mit Rassismus zu tun? „Was hat Musik mit Rassismus zu tun?“ weiterlesen

 

Kinder ohne Eis

Dolomiti gibt es nicht mehr. Eis in den Dolomiten wird es bald auch nicht mehr geben.
Eis in den Dolomiten wird es bald nicht mehr geben

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung stand neulich, im Jahr 2100 werde es wegen des Klimawandels keine Gletscher mehr in den Alpen geben. Andere Medien sagen das Gleiche, z.B. der Bayerische Rundfunk. Ich habe in diesem Jahr aus beruflichen Gründen viel Zeit in den Alpen verbracht und dort auch Gletscherreste gesehen. Und ich musste an ein Eis am Stiel aus meiner Kindheit denken, das Dolomiti. Meine Kinder kennen dieses Eis nicht. Meine Enkel werden die weißen Berge nicht kennen.

Ich erfahre täglich aus den Medien, dass der Lebensstil der Menschen die Erde zerstört. Ich lese so oft darüber, dass ich das trügerische Gefühl eines Fachwissens zu diesem Thema habe. Auch meinen Kindern wird regelmäßig auf KIKA erklärt, wie der Klimawandel mit der Abholzung der Regenwälder und die wiederum mit dem Fleischkonsum zusammenhängt.

Durch diese Informationsflut entsteht bei mir der Gedanke, dass dieses Thema im Bewusstsein aller Menschen sein muss, die eine gewisse Ähnlichkeit im Geist, in der Sozialisierung, in der Kultur haben wie meine Familie. Aber es ist nicht so. Die nettesten Nachbarn, die engsten Freunde, die liebsten Kollegen denken anscheinend anders als wir. Wie selbstverständlich kaufen sie im Supermarkt ihr tägliches Fleisch und die billigste Milch, fahren schwere Autos, gehen zum Mittagessen mit ihren Kindern in Fast Food Restaurants.

Und ich denke dann: Sie wissen doch auch was ich weiß! Wie geht das denn: Das Eine wissen – und das Andere trotzdem tun? Es geht irgendwie.

Ich verachte die Massentierhaltung weil sie grausam zu den Tieren ist und den Klimawandel antreibt. Leider möchte sich diese Verachtung auch auf meine Mitmenschen richten, wenn ich erlebe, dass sie wie selbstverständlich Fleischwürstchen und Hühnernuggets für ihre Kinder kaufen. Ein Gedanke schiesst mir dann durch den Kopf: Ich mag euch, aber ich hasse eure blöde Idee, ich würde das Richtige für euch erledigen, und deshalb könntet ihr das Falsche tun.

Ich weiß, dass man nicht missionieren soll. Aber was ist eigentlich wichtiger: Dass man mich mag, oder dass die Welt gerettet wird?

Und geht das überhaut: die Welt retten? „Kinder ohne Eis“ weiterlesen