Die Omi in Anglerhose – das nennt ihr Klimaschutz?

Ich habe eine interaktive Weltkarte im Netz gefunden. Dort kann man eine Jahreszahl, einen Glücksfaktor und einen Verschmutzungswert einstellen – und dann wird einem der Überflutungsgrad der Küsten in rot dargestellt. Ich hab das mal benutzt, um mir den schönen Ort Wustrow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst im Jahr 2050 anzusehen. Dort lebt meine Schwiegermutter. Sie wird sich Anglerhosen kaufen müssen. Lustiges Bild: Unsere kleine Omi, in Gummihosen bis zum Hals, neben ihrem rohrgedeckten Haus. (Man sagt dort „Rohr“, nicht „Reet“.)

Jetzt mal im Ernst: Im Jahr 2050 wird unsere Omi vermutlich nicht mehr leben. Und ich werde, wenn ich weiterhin vegan lebe und viel Glück habe, ein sehr alter Mann sein.

Aber wie werden meine Söhne und deren Kinder Omis Haus auf dem Darß besuchen? Gar nicht. Denn die Zufahrt wird überschwemmt sein. Man kann es auf der Karte deutlich sehen. Der Darß wird nicht mehr mit dem Festland verbunden sein. Aber das ist nicht alles. Auch Städte wie Bremerhaven, Cuxhaven und Amsterdam werden nicht mehr bewohnbar sein. Das sagt die Wissenschaft heute. Die Daten sind da, jeder kann es wissen. Und doch stecken unsere Politiker den Kopf in den Sand und tun so als würde alles nicht so schlimm werden. Und lassen trotz beschlossenen Kohleausstiegs bis 2038 nächstes Jahr ein neues Kohlekraftwerk (Datteln IV) ans Netz gehen.

Manche denken vielleicht auch: Ist doch mir egal, ich lebe ja nur einmal. Ich will jetzt leben. „Das stimmt!“, möchte ich ihm sagen, „Du lebst nur einmal, aber deine Kinder und deine Enkel auch, du selbstsüchtiger Arsch!“

Manchmal erwische ich mich bei dem Wunsch, die Klimakatastrophe möge mit all ihrer prognostizierten Wucht endlich bald kommen. Damit sie den Egoisten ordentlich ins Gesicht schlägt. Je früher desto besser. Damit die Leugner und Lügner endlich fürs Leugnen und Lügen bestraft werden. 

Was für ein kindlicher Wunsch, es ist die Perversion meiner Angst. Das Gegenteil von dem, was ich wirklich will. Angst kann Aggression erzeugen. Und natürlich weiß ich, dass man Menschen nur mit einem Lächeln und mit einem offenen Herzen überzeugen kann. Aber manchmal wünsche ich mir die eiserne Faust irgendeines Gottes, an den ich nicht glaube. 

Denn die Leugner sind viele und sie sind organisiert und sie haben auch ihre Meinungen. Vulkane pusten ja auch Treibhausgase in die Atmosphäre, Windräder töten Vögel und Insekten, in der Antarktis schmilzt das Eis nicht, sondern es wächst.

Und nun auch noch Datteln IV. Ich fass es nicht!

 

Warum ich dieses Parents for Future – Video gemacht habe

Seit einigen Wochen gehen meine Frau Jenny und ich Freitags zum Invalidenpark. Wir treffen andere Parents for Future und zeigen, dass wir die streikenden Jugendlichen von Fridays for Future unterstützen. Wir sammeln Unterschriften, malen Transparente, verteilen Flyer. Unsere Söhne sind manchmal auch auf den Freitagsdemos dabei. Es geht nicht nur um die Zukunft unserer, sondern aller Kinder, aller Lebewesen, um die Zukunft unseres Planeten. (An dieser Stelle kann man leicht pathetisch klingen, aber das ist jetzt egal.)

Trotz aller Berichterstattung treffen wir in unserem sozialen Umfeld sehr oft auf Menschen, die sich für dieses Thema entweder nicht interessieren oder es sogar anzweifeln. Unglaublich aber wahr. Unglaublich deshalb, weil seriöse Informationsquellen wie David Attenborough, der IPCC, die UN, Professor Quaschning, Professor Lesch oder die Scientists4future seit geraumer Zeit belegbare Informationen liefern. Der menschengemachte Klimawandel ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, die herannahende Klimakatastrophe seit über 40 Jahren.

Fast jeden Tag liefern uns die Medien Schreckensmeldungen über aussterbende Tierarten, Überschwemmungen, Waldbrände, Epidemien, Flüchtlingsströme. Ich finde, da kann man sich nicht mehr rausreden mit „Aber die Chinesen bauen Kohlekraftwerke“ oder „Aber was ist mit den Arbeitsplätzen?“. Das sind alles Ausreden, die den zukünftigen Generationen überhaupt nichts nützen. Es reicht! Wir brauchen eine Haltung, die im Einklang mit den wissenschaftlichen Fakten ist – und mit dieser Haltung müssen wir Druck auf die Politik ausüben. Also Politik machen.

Deshalb habe ich gemeinsam mit anderen Parents for Future dieses Video hergestellt.

Am 26. Mai ist Europawahl. Wir müssen zur Wahl gehen. Und weil unsere Kinder keinen Wahlzettel bekommen, müssen wir ihnen unsere Stimme schenken. Denn wir bestimmen damit deren Zukunft mehr als unsere.

https://parentsforfuture.de

#voteclimate #voteforclimate

 

Wer hat ihnen eigentlich ins Hirn geschissen?

Mein 8jähriger macht seine Hausaufgaben zwar trotzdem, den Spruch fand er aber gut
Mein 8jähriger macht seine Hausaufgaben zwar trotzdem, den Spruch fand er aber gut

Neulich bei #fridaysforfuture:  Wir steigen beim Invalidenpark aus der Strassenbahn aus, meine Söhne (8 und 5), drei befreundete #parentsforfuture, und ich, den Stab mit dem Transparent meines Sohnes in der Hand. Heute ist auch Greta Thunberg in Berlin!

Plötzlich steuert ein etwa 60jähriger Mann auf mich zu. Gepflegtes Äußeres, Krawatte, Mantel. Könnte in einer Behörde arbeiten, könnte aber auch Zahnarzt sein. Mit einem breiten Lächeln und in höflichem Ton fragt er mich: „Sagen Sie, gehen Sie auch zu dieser Demo?“

Ich denke: Wohin denn sonst? Antworte freundlich: „Ja, na klar!“

Darauf er, lächelnd: „WER HAT IHNEN EIGENTLICH INS HIRN GESCHISSEN?“

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Die Zombies vom Mount Everest

Meine Frau Jenny und ich auf einer FridaysForFuture-Demo im März 2019

Der Mount Everest ist mit seinen 8848 Metern der höchste Berg der Erde und sein Gipfel wurde im Jahr 1953 zum ersten Mal erobert. Seitdem sind über 200 Bergsteiger dort oben gestorben. Einer der Bekanntesten ist „Green Boots“: Seit 23 Jahren klettern alle Bergsteiger an seiner Leiche mit den grünen Stiefeln vorbei. Wie CNN neulich berichtete, schmelzen die Gletscher auf dem höchsten Berg der Erde rapide und geben nach und nach die Bergsteiger-Leichen wieder frei. Die Klimawandel-Zombies erwachen nach Jahrzehnten des Schlafs im nicht-ewigen Eis. Und das ist leider kein Plot für einen Horrorfilm, sondern das hat etwas mit uns zu tun.

Ich gehöre neuerdings zu einer bundesweiten, ständig wachsenden Gruppe, die sich Parents for Future nennt. Wir Eltern unterstützen mit unserer Anwesenheit bei Demos die Schüler, die unter dem Motto Fridays for Future ein paar Schulstunden nicht besuchen, um stattdessen für eine bessere Klimapolitik auf die Strasse zu gehen. Sie tun das, weil ein Mädchen, das nicht lügen kann und nur dann spricht, wenn es unbedingt nötig ist, ihnen die Wahrheit erzählt: die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Sie fragt in ihrer beeindruckenden TED-Rede sinngemäß, warum, wenn die Klimakrise uns alle so bedroht wie die Wissenschaftler es sagen, nicht alle Menschen ständig nur noch darüber sprechen.

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Was hat Musik mit Rassismus zu tun?

Neulich wurde ich von einem fremden Mann als Rassist bezeichnet. Wie kam es dazu?
Ich war mit meinem vierjährigen Sohn im Bode-Museum gewesen. Mit der S-Bahn fuhren wir von der Friedrichstraße zum Bahnhof Zoo. Während der Fahrt stieg ein Mann mit einem Lautsprecher und einer Klarinette ein. Ich sagte zu ihm: Bitte jetzt hier keine Musik! Er verdrehte die Augen, ging ein paar Meter weiter und begann trotzdem zu spielen. Ich schaute ihn böse an. Er schaute mich böse an. Dann ging er mit seinem Becher herum, aber niemand gab ihm Geld.

Die Berliner S-Bahn fährt und fährt – mit Musik und Rassismusvorwürfen

Ich mag die S-Bahn-Musiker nicht. Nicht weil sie schlecht spielen, manche spielen sogar ganz gut. Aber sie betreten den geschlossenen Raum, in dem ich mich befinde, und zwinge mich ihre Musik zu hören auch wenn ich das gerade nicht will. Ich kann nicht mehr lesen, kann meine Musik in meinem eigenen Kopfhörer nicht hören, Gespräche mit meinen Liebsten müssen warten bis der Musiker wieder aufhört. Ich habe schon einmal Kontakt mit der deutschen Bahn aufgenommen. Mann antwortete mir, das Musizieren in der S-Bahn sei nicht gestattet und die S-Bahn-Musiker seien ein bekanntes Problem, gegen das man aber leider nichts tun könne. Wenn man sie verjagt, sind sie sehr schnell wieder da. Es sind organisierte Gruppen, die sehr genau wissen, was sie tun. Und die Berlin-Touristen geben ihnen Geld, weil sie sie für etwas authentisches Berlinerisches halten. Während der S-Bahn-Fahrt erblickt man die Goldelse und jemand vom Balkan spielt Besame Mucho dazu. Das ist Berlin!

Als wir am Bahnhof Zoo ausstiegen, ging der Mann mit seinem Roll-Lautsprecher an uns vorbei. Seine Klarinette hielt er unter seiner Jacke versteckt. Er wandte sich mir zu und sagte in gebrochenem Deutsch: „Warum du mir sagst keine Musik in S-Bahn? Du bist Rassist!“ Ich war so perplex dass ich erst mal nichts antworten konnte. Ich dachte nur: Was hat Musik mit Rassismus zu tun? „Was hat Musik mit Rassismus zu tun?“ weiterlesen

 

Kinder ohne Eis

Dolomiti gibt es nicht mehr. Eis in den Dolomiten wird es bald auch nicht mehr geben.
Eis in den Dolomiten wird es bald nicht mehr geben

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung stand neulich, im Jahr 2100 werde es wegen des Klimawandels keine Gletscher mehr in den Alpen geben. Andere Medien sagen das Gleiche, z.B. der Bayerische Rundfunk. Ich habe in diesem Jahr aus beruflichen Gründen viel Zeit in den Alpen verbracht und dort auch Gletscherreste gesehen. Und ich musste an ein Eis am Stiel aus meiner Kindheit denken, das Dolomiti. Meine Kinder kennen dieses Eis nicht. Meine Enkel werden die weißen Berge nicht kennen.

Ich erfahre täglich aus den Medien, dass der Lebensstil der Menschen die Erde zerstört. Ich lese so oft darüber, dass ich das trügerische Gefühl eines Fachwissens zu diesem Thema habe. Auch meinen Kindern wird regelmäßig auf KIKA erklärt, wie der Klimawandel mit der Abholzung der Regenwälder und die wiederum mit dem Fleischkonsum zusammenhängt.

Durch diese Informationsflut entsteht bei mir der Gedanke, dass dieses Thema im Bewusstsein aller Menschen sein muss, die eine gewisse Ähnlichkeit im Geist, in der Sozialisierung, in der Kultur haben wie meine Familie. Aber es ist nicht so. Die nettesten Nachbarn, die engsten Freunde, die liebsten Kollegen denken anscheinend anders als wir. Wie selbstverständlich kaufen sie im Supermarkt ihr tägliches Fleisch und die billigste Milch, fahren schwere Autos, gehen zum Mittagessen mit ihren Kindern in Fast Food Restaurants.

Und ich denke dann: Sie wissen doch auch was ich weiß! Wie geht das denn: Das Eine wissen – und das Andere trotzdem tun? Es geht irgendwie.

Ich verachte die Massentierhaltung weil sie grausam zu den Tieren ist und den Klimawandel antreibt. Leider möchte sich diese Verachtung auch auf meine Mitmenschen richten, wenn ich erlebe, dass sie wie selbstverständlich Fleischwürstchen und Hühnernuggets für ihre Kinder kaufen. Ein Gedanke schiesst mir dann durch den Kopf: Ich mag euch, aber ich hasse eure blöde Idee, ich würde das Richtige für euch erledigen, und deshalb könntet ihr das Falsche tun.

Ich weiß, dass man nicht missionieren soll. Aber was ist eigentlich wichtiger: Dass man mich mag, oder dass die Welt gerettet wird?

Und geht das überhaut: die Welt retten? „Kinder ohne Eis“ weiterlesen

 

Mit 60 kann man noch Barista lernen


Vor ein paar Tagen saß ich im kleinen Café Nebenan in Neukölln. Ich hatte noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin bei der Osteopathin, die mir meine schmerzenden Gelenke heilen sollte. Während ich meinen ausgesprochen leckeren Soja Latte Macchiato trank, bewunderte ich die liebevoll gemachte Gestaltung des Cafés. Mir gefiel, dass jedes Objekt in diesem Raum mit Bedacht ausgewählt wirkte. Anscheinend war es jemandem wichtig, dass ihm sein eigenes Café gefällt. Da war nichts, was danach schrie, dass unbedingt ganz viele Kunden kommen sollen.

Ich bewunderte und beneidete den Eigentümer dieses Cafés und hatte plötzlich eine Erkenntnis über mich selbst: Ich will spannende Geschichten erzählen, glaubwürdige Charaktere kreieren, interessanten Gedanken nachspüren. Meine Filme will ich mit den Werkzeugen, die mir zur Verfügung stehen, und mit der Kraft, die ich dafür habe, machen. Es soll aber auch noch genug Energie für andere Unternehmungen – und vor allem für Menschen – übrig bleiben. Ich will, dass meine Arbeit mich zufrieden macht. Wenn das der Fall ist, ist schon das Wichtigste erreicht. Wenn ich mir meine eigenen Filme gerne ansehe, ist es gut. Da muss nicht noch viel mehr kommen. 

Was hat das nun mit dem Soja Latte im schnuckeligen Kiez-Café zu tun? Folgendes: Eigentlich will ich auch nur guten Kaffee kochen. Und Kuchen backen, auf Flohmärkten nach Stühlen suchen, Bilder aufhängen. Vielleicht mache ich ja eines Tages mein eigenes Café auf, mit viel Zeit und Bedacht gestaltet, so wie es mir gefällt. Die Frage ist nur: wann? Ich finde ja, Regisseure sollten ab einem gewissen Alter nicht mehr Filme drehen. Ihre Filme bekommen dann oft etwas Seniles. Ich werde dieses Jahr 50. Also gebe ich mir noch 10 Jahre. Mit 60 kann man noch Barista lernen.

 

Weil ich leben möchte!

Neulich fragte mein Dreijähriger meine Frau „Mama, wann sterben wir?“ Sie antwortete „Wenn wir alt sind oder sehr krank. Hast du Angst davor?“ „Ja, weil ich leben möchte!“

Am nächsten Tag sagte unser Sechsjähriger zu mir „Papa, ich bin froh, dass ich noch so jung bin. Dann muss ich nämlich nicht so früh sterben wie du.“

Danach kaufte ich zwei Pflanzen, einen Elfenspiegel und eine französische Fleischtomate, und pflanzte sie auf unserem Balkon ein.

Wie kann es sein, dass die beiden Kleinen sich schon so früh mit dem selben Thema beschäftigen wie ich, der ich auf die 50 zugehe? Ich erzähle ihnen ja nichts von meinen Gedanken über das Leben und den Tod. Kinder, es ist noch zu früh, um sich über das Sterben Gedanken zu machen, ihr seid noch jung!  

Habe ich in dem Alter die gleichen Fragen gestellt? Wahrscheinlich könnten mir das meine Eltern gar nicht mehr sagen.

Als meine Jungs vor ein paar Monaten einen toten Gecko begruben, sagte der Kleine „Der arme Gecko, er ist tot aber er lebt jetzt.“ Und sein älterer Bruder widersprach: „Nein, er lebt nicht mehr.“ „Doch, er ist tot aber er lebt jetzt.“ So ging das eine Weile, bis mir vor Rührung fast die Tränen kamen.

 

Zwischen den Müllsäcken sitzt ein Mann

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Zwischen den Müllsäcken sitzt ein Mann.

Ich gebe ihm 5 Euro.

Ohne mich anzusehen oder etwas zu sagen, legt er den Geldschein zur Seite.

Vielleicht überbewerte ich das Geld.

 

Ist das ein Spielzeug für Mädchen oder für Jungs?

bildschirmfoto-2016-09-14-um-19-58-32Ich habe neulich eine bewegende TED-Rede des amerikanischen Medienwissenschaftlers Christopher Bell gehört. Er spricht davon, wie seine Tochter sich Kostüme von männlichen Superhelden anzieht, weil es keine Kostüme oder andere Merchandising-Produkte weiblicher Superhelden gibt. Helden sind männlich, und wenn sie Frauen sind, werden sie zu Männern gemacht. Jungs kriegen Schwerter und Flugzeuge. Mädchen kriegen Barbies und Babies. Blau gegen Rosa.

Wenn ein Mädchen männliche Eigenschaften hat, wertet sie das auf. Hat ein Junge weibliche Eigenschaften, gilt er als Pussy. Ein 11jähriger Junge in Amerika hat versucht, sich mit einem Gürtel zu erhängen. Er war von seinen Freunden ausgelacht worden, weil er eine TV-Serie mit Ponys mochte.

Ich bin, nachdem ich diese Rede gehört hatte, sofort losgerannt und habe ein Mädchenspielzeug für meinen 5jährigen Sohn gekauft: Ein Heft mit Pferde-Geschichten und einer Halskette. Als mein Junge das Geschenk sah, sagte er: „Das ist für Mama.“
„Wieso?“, fragte ich. „Da sind doch Geschichten mit Pferden drin. Pferde sind doch tolle Tiere!“ Aber mein Sohn wollte das Heft nicht lesen. Später spielten wir gemeinsam mit der Halskette. Wir versuchten allerdings, daraus eine Ankerkette für ein Spielzeugboot zu machen.

Als er 2 Jahre alt war, wollte der Sohn rosafarbene Gummistiefel haben. Damals zögerte ich kurz, aber wir kauften sie ihm. Er mochte einfach die Farbe. Heute, mit fast 6, reagiert er auf Rosa mit „Igitt, das ist für Mädchen!“ Wo hat er das her? Nicht von mir und sicher nicht von seiner Mutter.

Neulich versuchte ich es nochmal. In einem Supermarkt bot ich meinen beiden kleinen Jungs an, ihnen rosafarbene Spielsachen zu kaufen (mit denen sie durchaus hätten spielen können). Sie schauten mich beide entgeistert an. Als würden sie denken: Meint er das jetzt ernst?

Ich behalte die Hoffnung, dass sie vielleicht auch ein wenig dachten: Meine ich das jetzt ernst, dass ich dieses hübsche rosa Spielzeug ablehne?

Wir alle sind schuld an diesem Problem, sagt Christopher Bell. Hier ist sein TED talk: