Warum trainieren Frauen und Männer in Berlin MMA?

Vor zehn Jahren habe ich den Dokumentarfilm „Vollkontakt“ über vier freundliche Frauen und Männer aus Berlin gedreht, die die „härteste Kampfkunst der Welt“ betreiben: Mixed Martial Arts (MMA). Der Film hatte damals in einem Berliner Kino Premiere, lief auf einem Festival und später auch bei Spiegel Online. Da ich selber diesen Sport seit 13 Jahren trainiere, hatte ich einen guten Zugang zu meinen Protagonisten und zu unserem Gym in Berlin Schöneberg.

Im Corona-Jahr 2020, als wir alle nicht trainieren durften, viel zu Hause waren und Online-Meetings machten, kam mir die Idee zu dieser Kurz-Doku. Ich traf Alex, Attila, Luise und Oli im Videochat und fragte sie, wie sie den Film nach zehn Jahren empfinden, wie es ihnen heute geht und was sie beschäftigt – und natürlich auch, ob sie immer noch MMA trainieren und Wettkämpfe machen.

Die Antworten waren unterhaltsam und spannend: Es geht um den Sinn des Kämpfens, das Älterwerden, Veganismus, Corona-Leugner, Hasskommentare, Flüchtlingsproblematik, Klimakrise und sogar um Kinderliteratur.

Die Kurz-Doku, den langen Film sowie einen Trailer gibt es auf Youtube und Vimeo.

 

Grozny_Lovers folgt mir! Was soll ich tun?

Grozny_LoversNeulich las ich einen interessanten Artikel über Ramsan Kadyrow in der FAZ. Das ist der Präsident von Tschetschenien, ein kräftiger Kerl mit modernem Haarschnitt. Sein bester Freund ist der lupenreine Demokrat im Kreml, für ihn würde er gerne jederzeit in den Krieg ziehen, sagt er. Hilary Swank war bei Ramsans 35. Geburtstag und sang für ihn, allerdings wusste sie nicht, wer er ist. Später entschuldigte sie sich dafür.

Also: In dem Artikel war davon die Rede, dass Ramsan regelmäßig auf Instagram postet. Ich wurde neugierig. Ein solcher Mannmann aus dem hintersten Kaukasus socialt? Macht Selfies für seine Kumpels? Ich abonnierte ihn auf Instagram, um mehr über ihn zu erfahren.

Seitdem erfahre ich fast nichts mehr über socialnde Muttis (InstaMoms) und socialnde Künstler. Meine Insta-Timeline ist voll mit kyrillischen Buchstaben (laaange Texte!) und Fotos und Filmen von Ramsan im Gespräch mit Putin, mit muslimischen Geistlichen, beim Kampfsport-Training. Er mag anscheinend Mixed Martial Arts, so wie ich auch. Ramsan hat 946.000 Abonnenten. Okay, dachte ich dann, das sind genug Follower und mein Russisch ist nicht gut genug, den kann ich ja bald wieder entfolgen (oder sagt man dem kann ich entfolgen?).

Doch zu spät! Seit heute folgt mir jemand, der sich Grozny_Lovers nennt. Der hat 23.900 Abonnenten. Und er folgt 3547 Menschen. Einer davon bin ich nun. Was soll ich tun? Mein Russisch reicht aus, um „grozny“ zu übersetzen: Es heißt „furchterregend“. Siehe auch Ivan Grozny (Ива́н Васи́льевич Гро́зный).

Jetzt mal im Ernst. Ich kenne das Problem auch von Twitter. Plötzlich folgt dir jemand und du fragst dich warum und es schmeichelt dir auch nicht gerade, dass ausgerechnet der dir folgt. Was macht man? Sich schämen? Ich glaube, ich schau mir jetzt noch ein paar Bilder von Ramsan an und dann entfolge ich ihm (ihn?) wieder, um mehr Fotos von InstaMoms zu sehen. Ich bin nämlich ein InstaMoms_Lover.