Weil ich leben möchte!

Neulich fragte mein Dreijähriger meine Frau „Mama, wann sterben wir?“ Sie antwortete „Wenn wir alt sind oder sehr krank. Hast du Angst davor?“ „Ja, weil ich leben möchte!“

Am nächsten Tag sagte unser Sechsjähriger zu mir „Papa, ich bin froh, dass ich noch so jung bin. Dann muss ich nämlich nicht so früh sterben wie du.“

Danach kaufte ich zwei Pflanzen, einen Elfenspiegel und eine französische Fleischtomate, und pflanzte sie auf unserem Balkon ein.

Wie kann es sein, dass die beiden Kleinen sich schon so früh mit dem selben Thema beschäftigen wie ich, der ich auf die 50 zugehe? Ich erzähle ihnen ja nichts von meinen Gedanken über das Leben und den Tod. Kinder, es ist noch zu früh, um sich über das Sterben Gedanken zu machen, ihr seid noch jung!  

Habe ich in dem Alter die gleichen Fragen gestellt? Wahrscheinlich könnten mir das meine Eltern gar nicht mehr sagen.

Als meine Jungs vor ein paar Monaten einen toten Gecko begruben, sagte der Kleine „Der arme Gecko, er ist tot aber er lebt jetzt.“ Und sein älterer Bruder widersprach: „Nein, er lebt nicht mehr.“ „Doch, er ist tot aber er lebt jetzt.“ So ging das eine Weile, bis mir vor Rührung fast die Tränen kamen.

 

Wo sind all die Bücher hin?

P1020103Vom Sinn oder Unsinn der bürgerlichen Bücherwand

Mein Leben lang hatte ich Bücherregale. Zu Schulzeiten waren es circa 1 mal 1 Meter, zu Studentenzeiten 1,5 mal 2 Meter. Das Regal wuchs mit mir mit, letztes Jahr war es, zusammen mit den Büchern meiner Frau, 3,50 mal 2,30 Meter groß. Dann nahm meine Frau ihr Smartphone und scannte etwa die Hälfte der Bücher mit einer App – wenige Tage später waren diese Bücher per Post an einen Online-Buchhändler gegangen. Sie waren weg! Diesem barbarischen Akt waren viele Gespräche vorweg gegangen, in denen wir besprochen und beschlossen haben, uns von manchen Büchern zu trennen. RegalMitPippiAuch DVDs und CDs haben wir verkauft. Die Fotos hier zeigen unsere zentrale Wohnzimmerbibliothek vor und nach dieser Inventur. Allerdings sieht man nicht die Bücher, die uns lieb und teuer sind, denn die stehen jetzt in einem anderen Raum. Das zweite Foto trügt also ein bißchen. Es sind noch Bücher da.
Worauf ich aber hinaus will: Ich stelle mir die Frage, ob Bücherwände ein Generationending sind. Mein Vater hatte tausende Bücher, in seiner Wohnung waren alle Wände mit überfüllten Regalen bedeckt. Als ich nach seinem Tod den Haushalt auflösen musste, hat ein Antiquar vier Tage gebraucht, um alle Bücher abzuholen. In den bürgerlichen Wohnungen der umliegenden Häuser hier in Berlin-Wilmersdorf sieht man sie auch noch, die gute alte Bücherwand. Bei uns nun nicht mehr.
Als meine Mutter unser leeres Regal sah, bekam sie einen Schock. Sie war der Meinung, ich hätte alle Geschenke meiner Eltern weggeschmissen. Das habe ich nicht. Und es half auch nicht, meiner Mutter zu zeigen, daß alle wichtigen Bücher noch da waren.

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Verfall #2 Fontana und die Sonne

Die Sonne macht an verschiedenen Stellen Berlins aus diesen Plakaten der BVG Kunstwerke im Stil von Lucio Fontana. Ich bewundere diesen Künstler, er machte Schlitze in Leinwände und ließ sie dadurch dreidimensionalen werden. Die Sonne macht das in trashiger Weise auch. Bleibt die Frage, warum die BVG die Plakate nicht austauscht. Sinn für Kunst?

 

Die Scheibe

ScheibeAls der Mensch noch klein war, dachte er, die Welt sei eine Scheibe.

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Hupen und schimpfen

Handicap

„Du willst meinen Parkplatz? Dann nimm auch mein Handicap!“ Dieses Schild, das neben einem Parkplatz für Behinderte steht, habe ich auf Sizilien fotografiert. Faszinierend, wie es den Umgang der Italiener mit dem Strassenverkehr dokumentiert: Regeln werden durch Fragen kommuniziert, auch mit Ironie.

Im italienischen Strassenverkehr wurde ich ständig angehupt. Aber dieses Hupen bedeutete nicht „Du machst was falsch, du Arschloch!“. So oft kann man mich im Auto gar nicht als Arschloch bezeichnen, wie ich angehupt wurde. Das Hupen bedeutete meist: „Achtung, hier komme ich!“ Oder: „Darf ich mal vorbei?“

Kaum in Deutschland angekommen, werde ich auf dem Fahrradweg von einem (eigentlich sympathisch aussehenden) Radfahrer angebrüllt: „Falsche Seite!“ Und meine Frau wird von älteren Damen angemotzt, weil sie unsere Kinder auf einem verkehrsberuhigten Platz herumlaufen lässt.
Auf Sizilien wurden unsere Kinder auf offener Strasse von fremden Menschen in den Arm genommen. „Come ti chiami, bello bimbo?“ („Wie heisst du, hübscher Junge?“) Solche Fragen möchte ich mal in Berlin auf der Strasse hören!
 

Turm

 Was mach ich jetzt?  Mit meinen Händen.  Mit all dem Sand.  Noch einen Turm bauen? 

(Torre Cabrera, Pozzallo, Sizilien)

 

Was will das Kind?

IMG_1099bDas Kind kommt auf die Welt und will etwas. Bei meinen Söhnen war das deutlich zu sehen. (Ich war bei ihren Geburten dabei.) Sie kamen hervor und sagten nicht nein. Sie wollten raus und sie wollten Muttermilch.

Später wurde es aber ineressanter. Sobald er wach war, wollte mein erster Sohn irgendwohin, irgendwas haben. Bevor er einschlief, war es auch so. Das war manchmal problematisch, aber immer faszinierend. Das Wollen kann viel stärker sein als die Müdigkeit.

Aber was treibt die Kinder an? Sie sitzen oder stehen da, einjährig oder dreijährig, haben von der Welt noch keine Ahnung, wissen nicht, was interessant und was langweilig ist – und krabbeln oder rennen los. Bewegen sich auf etwas zu. Wollen es anfassen, festhalten, irgendwie benutzen. Und dann das hier! Und dann das andere!! Und bloß nicht hergeben!!!

Ich nenne es das pure Wollen.

Ich habe es in dieser Form nicht mehr, dieses permanente Vorwärts, dieses IchWillMachen! Verliert man das mit dem älter werden? Oder mit dem Eltern werden? Weil man es abgibt, die Kleinen es ab jetzt übernehmen? Nicht daß ich nicht etwas wollen würde, aber bei mir gibt es meist erst eine Idee, basierend auf einer Überlegung oder einer Notwendigkeit, dann einen Plan, eventuell eine Vertagung, manchmal auch eine Verdrängung. Wenn ich etwas mache, hat es meist so viele Filter der Vernunft durchlaufen, das ich meine Freude daran mit der nackten Freude der Kinder gar nicht vergleichen kann.

Klar kann man sagen, das Kind sei halt neugierig. Aber warum? „Was will das Kind?“ weiterlesen

 

Grozny_Lovers folgt mir! Was soll ich tun?

Grozny_LoversNeulich las ich einen interessanten Artikel über Ramsan Kadyrow in der FAZ. Das ist der Präsident von Tschetschenien, ein kräftiger Kerl mit modernem Haarschnitt. Sein bester Freund ist der lupenreine Demokrat im Kreml, für ihn würde er gerne jederzeit in den Krieg ziehen, sagt er. Hilary Swank war bei Ramsans 35. Geburtstag und sang für ihn, allerdings wusste sie nicht, wer er ist. Später entschuldigte sie sich dafür.

Also: In dem Artikel war davon die Rede, dass Ramsan regelmäßig auf Instagram postet. Ich wurde neugierig. Ein solcher Mannmann aus dem hintersten Kaukasus socialt? Macht Selfies für seine Kumpels? Ich abonnierte ihn auf Instagram, um mehr über ihn zu erfahren.

Seitdem erfahre ich fast nichts mehr über socialnde Muttis (InstaMoms) und socialnde Künstler. Meine Insta-Timeline ist voll mit kyrillischen Buchstaben (laaange Texte!) und Fotos und Filmen von Ramsan im Gespräch mit Putin, mit muslimischen Geistlichen, beim Kampfsport-Training. Er mag anscheinend Mixed Martial Arts, so wie ich auch. Ramsan hat 946.000 Abonnenten. Okay, dachte ich dann, das sind genug Follower und mein Russisch ist nicht gut genug, den kann ich ja bald wieder entfolgen (oder sagt man dem kann ich entfolgen?).

Doch zu spät! Seit heute folgt mir jemand, der sich Grozny_Lovers nennt. Der hat 23.900 Abonnenten. Und er folgt 3547 Menschen. Einer davon bin ich nun. Was soll ich tun? Mein Russisch reicht aus, um „grozny“ zu übersetzen: Es heißt „furchterregend“. Siehe auch Ivan Grozny (Ива́н Васи́льевич Гро́зный).

Jetzt mal im Ernst. Ich kenne das Problem auch von Twitter. Plötzlich folgt dir jemand und du fragst dich warum und es schmeichelt dir auch nicht gerade, dass ausgerechnet der dir folgt. Was macht man? Sich schämen? Ich glaube, ich schau mir jetzt noch ein paar Bilder von Ramsan an und dann entfolge ich ihm (ihn?) wieder, um mehr Fotos von InstaMoms zu sehen. Ich bin nämlich ein InstaMoms_Lover.

 

Das erotische Bild vom Kind

Wie sinnlich dürfen Fotos von Kindern in einer Zeitschrift sein?

In der aktuellen Print-Ausgabe der Familienzeitschrift Nido (04/2015) gibt es eine Fotostrecke, die mich sehr nachdenklich macht. (Artikel „All-Inclusive“ ab Seite 68. Die Fotos sind auf der Nido-Website z.Zt. noch nicht online.)

Beim Schreiben darüber merke ich schon, wie es sich in mir dagegen sträubt, diese Bilder zu beschreiben. Es geht in dem Artikel um Pauschalreisen mit Kindern. Was man auf den Fotos sieht, hat starken Lolita-Charakter: Mädchen im vorpubertären Alter, halbnackt, mit von der Hitze erschöpftem Gestus, verträumt, lasziv, selbstbewusst, im Slip und mit nackter Brust, mit Würstchen, Wasserflasche oder Eis am Stiel im Mund.

lolitaposterIch fühle mich an die erotischen Filme meiner Jugend erinnert: Bilitis, Die blaue Lagune, Zärtliche Cousinen, oder eben: Lolita. Ich hätte nicht gedacht, dass solche Bilder in einer Familienzeitschrift in der Post-Edathy-Zeit möglich sind.

Aber warum regt es mich auf? Ich suche und finde: Das Bild vom einsamen Mann, der sich diese Fotos lange anschaut und dabei seine Fantasien hat. Ich denke: Diese Kinder sind schutzlos dem phallischen Blick ausgeliefert. Da schreit es in mir: Skandal! Wie können die Nido-Redakteure so etwas veröffentlichen!? „Das erotische Bild vom Kind“ weiterlesen

 

Verfall

colapaar2Gesehen, fotografiert, nicht bearbeitet.

Warum sind Dinge im Zustand des Verfalls so viel interessanter als neue Dinge?

(Siehe auch meinen Beitrag über Fahrräder.)

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