Was ist eigentlich ein Rest-Sonntag?

Bildschirmfoto 2016-01-13 um 10.51.33Als ich neulich meinem Nachbarn begegnete, wünschte er mir „Einen schönen Rest-Sonntag noch!“. Er sagt das immer so. Es gibt bei ihm auch „Rest-Wochenenden“ und „Rest-Abende“, je nachdem wann man ihm begegnet. Ich bedanke mich immer höflich, wünsche „ebenfalls!“, und frage mich anschließend: Was ist jetzt mein „Rest“? Mein Nachbar fordert mich also regelmäßig dazu auf, meine restlichen Stunden zu zählen. Aber will ich das?

Gestern war ich zum ersten Mal in Berlins größtem Spa in der Nähe des Hauptbahnhofs. Als ich nach drei Saunagängen, zwei Massagen und einem Nickerchen wie neugeboren die Rechnung bezahlte, wünschte mir die junge Dame an der Kasse freundlich eine „schöne Rest-Woche“. Schwupps war es weg, das Neugeborenen-Gefühl. Man hatte mich mal wieder auf die verbleibenden Tage hingewiesen. Rest-Zeit für die noch unausgesprochenen Worte, die noch ungetätigten Taten, die noch möglichen Veränderungen. Es scheint eine neue Mode zu sein, das mit dem „Rest“. „Schönen Rest-Tag noch!“ ist das neue „Schönen Tag noch!“: Genauso banal, aber ein bisschen infamer.

Nein, ich werde den Leuten in Zukunft nicht „Ein schönes Rest-Leben noch!“ wünschen. Aber ich könnte es. Es liegt mir auf der Zunge.

 

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